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Il Capitano

INTERVIEWBuffon: Ein Narziss und Glücksspieler, 13.6.14


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14. Jun 2014, 10:50

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 Post subject: Buffon: Ein Narziss und Glücksspieler, 13.6.14
#1PostPosted: 14. Jun 2014, 10:50 
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Ich wollte die Hauptrolle unbedingt

Italiens Nationalgoalie Gianluigi Buffon ist eine lebende Legende – in Brasilien bestreitet er seine fünfte WM und sein neuntes grosses Turnier insgesamt. Auf der Ersatzbank zu sitzen, würde er nicht ertragen, sagt er.


Warum genau sind Sie Torhüter geworden?
Aus Narzissmus, weil ich unbedingt die Hauptrolle wollte. Und ich hätte mich nie zufrieden gegeben, ein guter Torhüter der dritten Liga zu sein. Ich wollte das werden, was ich heute bin: nicht mehr der beste Torhüter der Welt, aber der beste Torhüter der Welt mit 36 Jahren. Ich bin auch Torhüter geworden, weil ich eine grosse Lust hatte, den Torschrei der gegnerischen Fans im Hals zu ersticken.

Irgendwann wird einem für alles die Rechnung präsentiert: fürs Geld, den Ruhm, die Siege. Was war Ihre grösste Hölle?
Dass ich schnell erwachsen werden musste. Ich musste kämpfen, mich selbst erziehen – mit etwas Telefonhilfe von meiner Familie aus der Ferne. Für einen Sechzehnjährigen war die grosse Fussballwelt keine Komfortzone. Sie machte mir Angst. Ich wollte mir ja auch nie, wie das andere Torhüter tun, den legendären Mantel der Einsamkeit überziehen, so bin ich nicht: Ich brauchte Freunde, die mich stützten.

Hatten Sie welche, und haben Sie noch welche?
Nur zwei, Marco und Claudio, Jungs aus der Nachbarschaft, mit denen ich aufwuchs, mit denen ich in die Primar- und die Sekundarschule ging. Marco arbeitet heute in der Sägerei seines Vaters, Claudio ist der Chef des Autoabschleppdienstes von La Spezia. Freundschaft ist ein heiliges Gefühl. Im Fussball hätte ich Mühe, Namen zu nennen: Chimenti, Grosso, Gattuso, Pirlo, Cannavaro, Thuram, Nesta, Crippa – das sind die Leute, an die ich mich am liebsten erinnere, mit denen ich schöne Momente erlebte.

Ist der Torhüter nicht doch ein einsames Tier?
Er ist introvertiert. Ich habe mir die Einsamkeit mit der Zeit verdient, aber es ist eine praktische Einsamkeit voller Scham und Reserviertheit.
Ich habe stets ein Heft bei mir, schreibe darin meine Gedanken auf, das Resümee eines Buchs, die Bedeutung von Begriffen, die ich nicht kannte. Ich will reden können.

Haben Sie Tattoos, wie die meisten Ihrer Kameraden?
Kein einziges. Die Erinnerungen und Symbole sind alle in meinem Kopf.

Zurück zu den Dornen in Ihrer Karriere: faschistische Sprüche auf dem Unterleibchen; die 88 als Rückennummer, die in der Welt der Neonazis für «Heil Hitler» steht; das gekaufte Diplom als Buchhalter; die illegalen Wetten. Keine Reue?
Ich habe viele Fehler begangen. Ich war ein Ignorant. Ignoranz ist zwar keine Entschuldigung, doch man sollte Jugendsünden vergeben können. Doch es gibt Aussagen, die ich nicht zurücknehmen würde, weil es nur geheuchelt wäre. Und ja, die Wetten . . . auch das stimmt. Doch ich bin weit entfernt vom Bild, das man von mir zeichnet. Ich habe keine geheimen Passagiere an Bord meines Schiffes.

Aber Glücksspiel und Casino – das gefällt Ihnen.
Das Glücksspiel war immer und wird für mich immer ein Vergnügen und ein Zeitvertreib sein. Leider hat man in Italien Vorbehalte dagegen. Das Glücksspiel bleibt ein Tabu. Wir sind nun mal eine junge Demokratie: bigott und verliebt in Klischees.

Wird Fussball auf Dauer monoton?
Er generiert Gewohnheitsmüdigkeit. Gesten, Sprüche, falsche Rituale: Für eine lange Karriere musst du Treuebünde schliessen. Ich denke an die Grandezza von Leuten wie Alessandro Del Piero, Paolo Maldini und Francesco Totti, die immer im selben Verein, in derselben Stadt gespielt haben. Wenn du oft wechselst, bist du entweder ein Panzer oder du gehst daran leicht zugrunde.

In Ihrer Biografie erzählen Sie von der Depression, die Sie vor zehn Jahren heimgesucht hat. Sie schreiben, Sie seien am Morgen jeweils aufgestanden und hätten sich gesagt: «Was kümmert es mich, Buffon zu sein?» War das nur eine Episode?
Es war die Saison 2003/2004. Juventus hatte keine Ziele. Ich fühlte mich so allein wie nie zuvor, ich war damals noch nicht verlobt. Ich vertrottelte vor dem Computer, im Internet. Bin in ein Loch gefallen, konnte mich nicht erheben. Ich sass im Bett, umschlang meine Knie und weinte. Weder der Fussball noch die Psychoanalyse konnten mir helfen.

Sondern?
Ich habe begonnen, mir eine kulturelle Basis anzulesen, Kunstausstellungen zu besuchen, mich für die Welt zu interessieren. Drei Monate später zeigten sich die ersten Früchte meiner ganz persönlichen Renaissance. Jeden Tag lese ich neben der «Gazzetta dello Sport» zwei Tageszeitungen. Wenn wir mit der Mannschaft unterwegs sind, lese ich Bücher, etwa über die «bleiernen Jahre» (des Terrorismus in Italien), über die Mafia, die Romane von Oriana Fallaci, das letzte Sachbuch von Giulio Tremonti (ein früherer Wirtschaftsminister Berlusconis), eine Biografie von Matteo Renzi (des linken Ministerpräsidenten) und, Sie werden mich für verrückt halten, ein Handbuch über neurolinguistische Programmierung.

Was würde Buffon sagen, wenn er Buffon heute beschreiben müsste?
Er ist ein recht unbeschwerter Mann mit einer mässigen Angst vor dem nahenden Karriereende. Doch ich denke, dass dieser Mann dann glücklich sein wird, weil er Chinesisch lernen kann und endlich genügend Zeit hat für die Menschen, die er liebt. Trainer wird er nicht werden.

Was ist wichtiger für einen Torhüter mit 36: die Reflexe oder Erfahrung?
Die Motivation. Reflexe erschlaffen mit der Zeit. In meinem Alter wird man nicht mehr besser, darum sollte man das technische Training reduzieren und dafür mehr für die Prävention gegen Verletzungen tun, mehr Zeit im Kraftraum verbringen, auf die Ernährung achten. Natürlich würde ich die Trainings, die wir vor 20 Jahren machten, nicht mehr durchstehen. Aber heute ist der Fussball ja spezialisierter.

Wie erleben Sie eigentlich diesen Angstmoment, wenn plötzlich ein Ball auf Ihr Tor kommt?
Den spüren nur die Zuschauer, ich nicht. Meine Sorge steigt vor Cornern und Freistössen, in jenen zehn Sekunden, wenn das Spiel stillsteht.

Was ist die grösste Unwägbarkeit?
Die Flugbahn des Balls, sie kann sich abrupt ändern, was mit den neuen und leichteren Bällen andauernd passiert. Vor allem dann, wenn du sie über den Köpfen abfangen musst. Heute sind die besten Torhüter jene, die den Ball gut wegboxen können, nicht die, die ihn festhalten.

Wie wertvoll sind Ihre Hände und Ihre Handschuhe?
Ich habe schöne Hände, lange Finger – vom Vater geerbt. Seit zehn Jahren brauche ich dieselben Handschuhe, ich entwerfe sie quasi selber: Sie dürfen nicht zu eng sein, damit sich die Finger bewegen können, und der Haftstoff darf nicht zu stark sein, damit ich den Ball spüre, wenn ich ihn zu fassen bekomme.

Was erwartet ein Team von seinem Torhüter, was ist sein wichtigster Beitrag in einem Spiel?
Die Sicherheit, die er den Zuschauern vermitteln kann.

Und was erwarten Sie vom Verein?
Dass er mich immer als Leader sieht und nie als Reserve. Ich würde es nicht ertragen, auf der Ersatzbank zu sitzen.

Welche Torhüterkollegen bewunderten Sie am meisten?
Den Mut von Rossi und Schmeichel, die Explosivität von Peruzzi, die Eleganz von Marchegiani, die Klasse von Pagliuca, die Reflexe von Toldo und Van der Sar.

Welche Stürmer fürchteten Sie?
Ronaldo, Cristiano Ronaldo, Messi – aber vor allem Christian Vieri.

Louis Thomas ist fast 7, David Lee bald 5. Das sind Ihre Söhne. Was fragen sie Sie am meisten?
Papa, wann hörst du auf mit dem Fussball?

Fürchten Sie sich davor, dass Ihre Söhne Sie einmal enttäuschen könnten?
Nein, ich hoffe es – oder besser noch: Sie müssen mich enttäuschen. Die Perfektion hat mich immer gestört. An Fehlern wächst man.
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16. Jun 2014, 11:51

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 Post subject: Re: Buffon: Ein Narziss und Glücksspieler, 13.6.14
#2PostPosted: 16. Jun 2014, 11:51 
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11. Nov 2014, 11:12

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 Post subject: Re: Buffon: Ein Narziss und Glücksspieler, 13.6.14
#3PostPosted: 11. Nov 2014, 11:12 
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Das hat Spass gemacht zum lesen. Danke dir. Er soll bleiben wie er ist :maedel-knuddler:

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